Samstag, 3. Oktober 2015

[Interview] Ursula Poznanski

Hallo zusammen!

Wie letztens schon angekündigt gibt es heute das Interview von Ursula Poznanski. Geführt wurde das Interview von Anna von The Anna Diaries. Dort findet ihr auch die Originalen Posts. Teil 1 und Teil 2. Ich war für die Bilder zuständig ;). Es hat wirklich Spaß gemacht und ich hoffe euch gefällt das Interview. Los geht´s!
In Layers geht es um einen obdachlosen Jugendlichen, der eine Art neues zu Hause findet. Obdachlose Jugendliche sind heutzutage sicher keine Seltenheit mehr, nur schaut man da nicht genau hin. Wieso musste Dorian denn 17 und obdachlos sein?
Das liegt daran, dass es extrem praktisch ist. Man kann sich obdachlosen Jugendlichen leichter “entledigen”, weil eben keiner nach ihnen sucht. Es hat sehr gut zur Storyline gepasst.

Die Organisation von Bornheim, könnte es theoretisch im realen Leben auch geben. Wie haben Sie für diesen Aspekt des Buchs recherchiert?

Die Villa ist reine Fantasie. Ich habe recherchiert, was die Brillen angeht. Die Technologie der augmented reality. Ich habe mich mit einem Technik Professor der Universität Wien unterhalten, der hat mir da so einiges erzählt und forscht gerade in diesem Bereich. Er hat mir ein paar Sachen beschrieben, die jetzt schon gehen. Die haben ich mir dann halt weiter gedacht.Es geht schon eine Menge. Personenerkennung geht, theoretisch, wenn man eine Fotodatenbank hat, die groß genug ist. Wenn sich, sagen wir mal, Google mit Facebook zusammen tut und Zugriff auf alle Fotos jedes Users bekommt, könnte man dann auf der Brille den Namen der Person einblenden.Das könnte man aber noch sehr leicht austricksen, wenn man jetzt ein Mann ist und sich einen Bart wachsen lässt zum Beispiel oder sich einen Schal umbindet.
Also, so ganz extrem wie im Buch geht es dann doch noch nicht. Das hat Dorian ja sehr schlau gelöst teilweise. Wie sieht es mit der Verbindung der Datenbrillen aus? Das ist ja sehr unpraktisch für Dorian. Das widerrum geht dann auch vermummt oder?

Ja, eigentlich ist das unpraktisch und das geht auch vermummt, denn die Datenbrille sendet dann ja etwas. Dadurch das die Brille zugeordnet ist, weiß der andere Träger dann auch, um wen es sich handelt.

Es gab so ein paar Szenen im Buch, die mich dann doch ein wenig erschreckt haben. Die an der Brücke zum Beispiel. Ich will ja nicht spoilern, aber das fand ich schon sehr makaber.

Ich weiß, welche Szene gemeint ist und die sollte natürlich genau diesen Effekt haben für Dorian.

Nicht nur für Dorian....
Gehen wir mal über zu Erebos. Es geht um Onlinerollenspiele. Dafür muss man sicher schon etwas recherchieren, denn es gibt viele verschiedene Onlinespiele. Welches davon hat sie am Meisten inspiriert?


Ehrlich gesagt habe ich mir keins wirklich angeguckt. Ich war also nicht bei World of Warcraft oder so, auch wenn ich kurz überlegt habe nun 2 Wochen lang zu spielen, aber dann dachte ich, dann schreibe ich auch World of Warcraft. Ich wollte etwas eigenes. Es ähnelt dem Spiel dann trotzdem, hat man mir gesagt. Da kann ich nichts machen, aber es ist nicht so, weil ich es gespielt habe. Ich habe ein bisschen am PC gespielt, aber Jahre vor Erebos. Diabolo hauptsächlich und da ist glaub ich vieles reingeflossen. Ich denke da ist einiges von reingeflossen, vorallem wieso man sich in diese Welt ziehen lässt, wie funktionieren die Belohnungsmechanismen, warum hört man nicht mehr auf? Und das dann natürlich so übersteigert, dass es halt die Leute alle irgendwie reinzieht. Das war so das einzige was ich zum Spiel recherchiert habe und das auch schon vor ab. Also ich habe von mir gewusst, warum ich das gut gefunden hab, wobei ich jetzt nicht so drin war, wie manch anderer.

Eigentlich wollten Sie ja nie wirklich Thriller schreiben. Der Wunsch war ja Fantasy.
Ja, ganz am Anfang war das tatsächlich so. Ich habe auch einen Fantasy Roman geschrieben. Der hat 500 Seiten und liegt auf meiner Festplatte und da wird er auch liegen bleiben. Ich habe früher Kinderbücher geschrieben und paralell dazu diesen Fantasy Roman und habe dann damit eine Agentur gesucht. Ich habe mir natürlich die großen Agenturen rausgesucht. Von der Ersten gabs eine Absage und die Zweite hat mich dann eingeladen. Die meinten dann “Ja Sie schreiben schon sehr gut, wir würden Sie gerne vertreten, aber nicht mit diesem Buch.” Was super ist, wenn man fünf Jahre dran geschrieben hat. Mein Agent hat dann gemeint, dass diese Art von Fantasy gerade nicht gesucht wird und es schwer sein wird, das anzubringen und gerade den Namen dann unter Wert zu verkaufen, ob ich nicht noch eine andere Idee hätte. Dann habe ich ihm die wage Idee von Erebos erklärt. Dann wollte er 50 Seiten Leseprobe, ein Expose und ist damit dann auf die Frankfurter Buchmesse gegangen. Das wars dann und danach ging alles unheimlich schnell.

Tut es ein bisschen weh, dass es nicht Fantasy geworden ist?

Jetzt nicht mehr, nein. Was mich an der Fantasy so gereizt hat ist diese Verklausolierung, Rätsel einbauen und so. Da hat man in der Fantasy wirklich unglaubliche Möglichkeiten. Da kann ich meine eigene Welt zusammen basteln, meine eigenen Regeln erschaffen und dann danach auch meine Rätsel zusammen bauen. Im Thriller muss man sich so ein bisschen an die Naturgesetze halten. Da wirds dann ein wenig schwieriger und es ist einfach auch schon viel gemacht worden. Aber das was mir am Schreiben am meisten Spaß macht, die falschen Pfärten legen, die richtigen gut verstecken. Das geht sowohl da als auch da.

Sie haben mit Ihrer Wahl der Themen in Ihren Büchern irgendwie Glück. Geo Caching, Computerspiele. Das gibt es gar nicht so häufig.

Mich springen diese Themen irgendwie immer an. Ich lese was und denke mir dann “Oh darum könnte man eine Geschichte basteln.” Es ist also nicht so, dass ich sage: Wo ist die nächste technologische Entwicklung, her damit. Es ergibt sich meistens einfach so.

Ist es schwer einen schlüssigen und sinnvollen Thriller zu schreiben? Also so, dass wirklich alles stimmt? Ich kenn das von Filmen, dass es immer wieder große Fehler gibt und das geht bei einem Buch noch weniger denke ich.

Finde ich auch, sollte es tatsächlich nicht geben. Ist auch manchmal wirklich richtig schwierig. Das ist eine Konstruktionssache und es passiert eben immer wieder, dass man vor einer Szene sitzt, die man braucht, aber man muss erklären, warum man sie braucht.

Ich stell mir dann immer einen riesen Tisch vor mit jede Menge Notizen, Blättern und Postits.
So ist das bei mir nicht. Ich habe jede Menge Dokumente wo wirres Zeug drin steht.

ENDE

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Maira Gall